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BR Klassik 14/04/2016

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Die Idee entstand während einer Konzertreise, bei der die Geigerin Isabelle Faust, der Pianist Alexander Melnikov und Cellist Jean-Guihen Queyras ein Klaviertrio von Schumann spielten. Mit dem Ziel, Schumanns Werk in einen größeren Zusammenhang zu stellen, planten die drei Musiker eine Dreierserie auf CD mit allen drei Solokonzerten Schumanns, gekoppelt an die drei Klaviertrios. Jetzt bildet das Cellokonzert in Kombination mit dem ersten Klaviertrio auf der dritten CD den Abschluss des Projekts.
Von "Trio-Freuden" und "Trio-Gedanken" ist 1847 im Haushaltsbuch der Schumanns zu lesen, während in Dresden das erste Klaviertrio entstand. Das fertige Stück schenkte Robert Schumann dann seiner Ehefrau Clara zum 28.Geburtstag. Allein der vorwärtsdrängende Beginn der d-Moll-Komposition zeugt von leidenschaftlichem und gleichzeitig visionärem Tun. Mosaikartig werden Themen aufgefächert. Ungewöhnliche Tonfolgen und chromatische Figuren in Violin- und Cellostimme bestimmen das musikalische Geschehen.

Schroff, aber seelenvoll

Pianist Alexander Melnikov spielt auf einem Flügel von Jean-Baptiste Streicher aus dem Jahr 1847, dem Entstehungsjahr des Schumann-Trios. Seine beiden Kammermusikpartner Isabelle Faust und Jean-Guihen Queyras haben Darmsaiten aufgezogen. Der eindrucksvolle Effekt: Man hört die Kühnheiten des Stückes klarer. Die dynamischen Steigerungen und Spannungsbögen, die sonst gerne romantisch verklärt und mit Vibrato-Leidenschaft gestaltet werden, sie sind hier schroffer, wenn man so will "nackter", aber nicht weniger seelenvoll. Von Beginn an musizieren die drei auf der vordersten Stuhlkante sitzend mit Energie, Spielfreude und fesselnder Ausdruckskraft. Überaus kontrastreich erscheinen ganze Passagen neu und anders hörbar. So wird Claras Tagebuch-Notiz bestens eingelöst: "Es klingt wie von einem, von dem noch Vieles zu erwarten steht…":

Flexibler Orchesterdialog

Wie spannend und in die Zukunft weisend sich Schumanns Kammer- und Konzertmusik wechselseitig beleuchten können, zeigt die mit dem ersten Klaviertrio gekoppelte Einspielung des Cellokonzerts. Solist Jean-Guihen Queyras stehen - wie vorab in dieser Schumann-Trilogie auch Isabelle Faust und Alexander Melnikov - das Freiburger Barockorchester und Dirigent Pablo Heras-Casado zur Seite. Als sperrig und schwer gilt der Cellopart, obwohl das Soloinstrument in diesem Konzert nicht mit virtuosen Zirkusnummern hervortritt, sondern vielmehr im permanenten Zusammenspiel mit dem Orchester monologisiert. Der Solist zeigt sich primär von seiner gesanglichen Seite. Queyras lässt sein Instrument denn auch singen, spielt impulsiv und mit gestochen scharfer und faszinierend bewegter Artikulation im Wechsel mit den Freiburgern. Pablo Heras-Casado führt das auf historischen Instrumenten spielende Ensemble souverän im flexiblen Dialog mit dem Solisten. Die dunkel timbrierten Bläser und die auf Darmsaiten agierenden Streicher bringt er in eine ausgewogene Balance. Drängen und Innehalten, Außen- und Innensicht, Euphorie und Abgründe - all diese Charakterdimensionen der Musik Schumanns sind so faszinierend nachvollziehbar. Einfach packend!

Meret Forest
BR Klassik 14/04/2016