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Rhein-Neckar Zeitung 16/05/2015
Duo-Spiel auf höchstem Niveau: Queyras und Melnikov bei den Schwetzinger Festspielen Queyras zeigte seine Klasse besonders in Debussys später Cellosonate

Duo-Spiel auf höchstem Niveau: Queyras und Melnikov bei den Schwetzinger Festspielen Queyras zeigte seine Klasse besonders in Debussys später Cellosonate.

Bringen wir zuerst das Unerfreuliche hinter uns: Eine Konzertbesucherin erlitt kurz vor der Pause einen Schwächeanfall, die Künstler mussten ihre Darbietung unterbrechen. So etwas kommt vor; niemand würde sein Mitgefühl verweigern. Wenn jedoch - wie hier - über zehn Minuten vergehen, bis die Betroffene überhaupt aus dem (stark überhitzten!) Saal hinausgebracht wird, und wenn nach weiteren fünfzehn Minuten die vorherige Ansage, man möge Platz behalten, widerrufen wird, dann ist das veranstalterisch wenig professionell. Mit zügigem Handeln wäre allen besser gedient gewesen - einschließlich der betroffenen Besucherin. Auch könnte man in Schwetzingen vielleicht doch einmal über eine Klimatisierung der Säle nachdenken. Dass es auch ohne geht und schon immer gegangen ist, ist ja kein erschöpfendes Gegenargument. Und gerade zur Festivalzeit heizen sich die Säle - so klagte in der Pause ein Besucher - tagsüber gewaltig auf.

Erfreulich hingegen, was die Interpreten Jean-Guihen Queyras (Violoncello) und Alexander Melnikov (Klavier) in ihrem Festival-Duoabend zu bieten hatten. Vor allem Melnikov prägte das Geschehen mit seiner enormen Gestaltungs- und Führungskraft. Er ist vernehmlich der spiritus rector des Duos.
 

In den beiden eingangs gespielten Beethoven-Sonaten zeigte sich beglückend seine Erfahrung mit diesem Komponisten: Melnikov hat zusammen mit Isabelle Faust die vielleicht beste Gesamteinspielung der Violinsonaten vorgelegt. Und Beethoven ist ihm ein wahres Anliegen. So war seine Phrasierungskunst auch in den Cellosonaten op. 5/2 und op. 69 wunderbar sprechend, zusammenfassend einerseits, zum anderen überaus frei und originell im Detail. Jean-Guihen Queyras folgte ihm inspiriert und mit schönem, schlankem Ton, der sich jedoch nicht immer gegen den großen Steinway behaupten konnte.

Queyras zeigte seine Klasse dann besonders in Debussys später Cellosonate. Deren schon artistische Klang-Alchimie ist ganz sein Ding. In Schwetzingen gelang ihm eine fesselnde Darbietung, kongenial unterstützt von Duo-Großmeister Melnikov. Duospiel auf solchem Höchstniveau - das ist nicht häufig zu hören.

Zum Schluss erklang Chopins ebenfalls späte Cellosonate op. 65. Nun, Chopin war alles andere als ein Kammermusikspezialist, und die Sonate kommt auch in puncto Inspiration nicht an seine Solowerke heran. Aber hörenswert war die Interpretation von Queyras und Melnikov allemal. Nur hätte hier dem feinen, biegsamen Ton des Cellisten etwas weniger Kompaktheit im Klavierklang gutgetan.

Stefan Schneider
Rhein-Neckar Zeitung 16/05/2015