fermer
RNZ- Feuilleton 23/03/2016
Wie Rossini auf Speed Ensemble Resonanz in Wiesloch - Solist: Iean-Guihen Queyras

RNZ

Wir kennen sie: die großen Genies, die über Zeit und Raum hinweg alles überstrahlen - so sehr, dass manch achtbarer
Geist bestenfalls im Kielwasser dtimpelt.
Anton Kraft ist so jemand: Als Cellist auf Schloss Esterhäzy wurde er von Joseph Haydn überaus geschätzt; von diesem erhielt er auch Kompositionsunterricht.
Naturgemäß komponierte.Kraft viel für das Cello: Sein Cellokonzert op. 4 (1805) war jetzt in der Konzertreihe der
Kunstfreunde Wiesloch im Palatin zu hören und wurde zum Ereignis. Ein bisschen Haydn, ein bisschen Beethoven, ein
bisschen Bellini-Bellezza; in dieser Musik steckt viel drin. Der Cellopart klingt hingegen wie Rossini auf Speed: aberwitzige
Läufe, Triller, Doppelgriffe, mit Chromatik angereicherte Akkordbrechungen, Passagen in schwindelerregender
Höhe - und das Ganze ohne Punkt und Komma mit immer neuen und fantasiereichen Wendungen. Jean-Guihen
Queyras widmete sich dem Werk mit spielerischer und technischem Esprit.
Queyras fungierte darüber hinaus als Leiter des Orchesters. Das ,,ensemble resonanz" ist mit seinem ,,artist in residence" eng verbunden, denn wenige Gesten reichten aus, um den mit Bläsern großzügig erweiterten Streicherapparat
musikalisch an den Solisten zu binden.
Vom Cello aus leitete Queyras auch das für Streichorchester umgearbeitete Strichsextett von Erich Wolfgang Korngold.
In jeder Note dieses Werks eines 17-Jährigen (!) siedelt Genie. Sicher, es mahlert, sträusselt, zemlinskyt Vieles in dieser üppigen Partitur, trotzdem ist eine ureigene Musiksprache deutlich zu spüren.
Die Jugend lebt hier bestenfalls in einem Zuviel der Ideen, die aus jeder Ecke in FiiLlIe sprudeln. Die erstaunlich gewagte,
oft zwischen Dur und MolI changierende Harmonik ini Adagio oder die vollendete Walzerseligkeit des Intermezzos waren
nur zwei der vielen Glanzpunkte dieses Abends.
Hier konnte das "ensemble resononanz" das zu Beginn des Konzerts die frühe Mozart-Sinfönie KV 201 zwar delikat, aber in den ersten beiden Sätzen etwas blass darbot, rundherum überzeugen.
Feinstens ausbalancierte Dynamik, ein weicher, flexibler Klang und ein nahtloses Zusammenspiel mit transparent gestalteter
Polyphonie atmeten in ganzer Pracht die Atmosphäre Wiens zur Jahrhundertwende.

RNZ-Feuilleton 23/03/2016
Marie-Theres Justus