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hr2-kultur 27/10/2014
Neueinspielung von Beethovens Gesamtwerk für Cello und Klavier
Eigentlich stehen Beethovens Cellosonaten ja ganz im Schatten der Violinsonaten, von denen gibt es doppelt so viele und die Klassikfans haben richtige Favourites unter ihnen. Die Cellowerke gehören zum nicht so populären Beethoven. Dafür aber umspannen sie die gesamte Schaffenszeit Beethovens.

Die Neueinspielung von Beethovens Gesamtwerk für Cello und Klavier mit Alexander Melnikov und Jean-Guihen Queyras stellt Ihnen Niels Kaiser vor.

Die Variationen über eine Arie aus Mozarts "Zauberflöte" eröffnen die Doppel-CD mit Beethovens Werken für Cello und Klavier. Und man hört es schon gleich in den ersten Takten: es geht nicht um die Kraft oder gar die Komik, die die Arie im Original hat, es geht vor allem um den Zauber, den diese Musik entfalten kann. Und diesen Zauber verdanken wir vor allem den beiden Interpreten.

Der russische Pianist Alexander Melnikov und der französische Cellist Jean-Guihen Queyras spielen hier nicht zum ersten Mal zusammen. Gemeinsam mit der Geigerin Isabelle Faust haben sie – ebenfalls für Harmonia Mundi – bereits eine ebenso berückende und mit vielen Preisen versehene Aufnahme mit Beethoven-Klaviertrios eingespielt. Alexander Melnikov erhielt zuletzt außerdem zahlreiche Auszeichnungen für seine Einspielung von Beethovens Violinsonaten gemeinsam mit Isabelle Faust. Während Queyras sonst vorwiegend in der Alten Musik anzutreffen ist oder aber in der zeitgenössischen, so zeigt er in seinen Beethoven-Aufnahmen mit Melnikov, dass er auch in der historischen Mittellage zu brillieren weiß. Aus zwei großartigen Einzelkönnern wird so ein perfekt auf einander abgestimmtes Klang-Team.

Beethovens Kompositionen für Cello und Klavier - fünf Sonaten und drei Variationszyklen –umspannen die gesamte Schaffenszeit des Komponisten. Die beiden frühen für Preußens König geschriebenen Sonaten op. 5 sind eigentlich die Prototypen der ganzen Gattung, gab bis dahin doch allenfalls die von einem Streichinstrument begleitete Klaviersonate oder aber die Cellosonate mit basso continuo, einer nicht ausgeschriebenen Klavierstimme also. Das gleichberechtigte Nebeneinander von Cello und Klavier, das ist 1796 Beethovens neue Erfindung.
 
CD-Cover (Bild: Harmonia Mundi)
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CD-Cover
Neben einer Sonate aus der mittleren Schaffenszeit stehen schließlich die beiden Sonaten op. 102 mit allen stilistischen Freiheiten des späten Beethoven. Die letzte Sonate hat ein für das Spätwerk so typisches Fugenfinale.

Voll, warm und rund im Klang ist diese Aufnahme, auch abgesehen von der Interpretation ein Genuss für die Ohren. Eigentlich artifizielle Kammermusik, mehr was für hartgesottene Beethovenianer. Versüßt wird einem die etwas härtere Kost aber durch den Glanz und den Zauber, den das Duo Queyras/Melnikov entfacht.

Niels Kaiser
Hr2-Kultur 27/10/2014